Zum Inhalt springen

FM-Solutionmaker: Gemeinsam Facility Management neu denken

Kriterienbasierte Projektauswahl für Bauprojekte

Facility Management: Baurevision » Planung » Projektauswahl

Verschiedene Kriterien wie Wirtschaftlichkeit, Machbarkeit, Zeitplan und Nachhaltigkeit werden berücksichtigt.

Verschiedene Kriterien wie Wirtschaftlichkeit, Machbarkeit, Zeitplan und Nachhaltigkeit werden berücksichtigt.

Eine gründliche Analyse der Projektziele und der Bedürfnisse der Stakeholder ist von großer Bedeutung für die Auswahl des richtigen Projekts. Eine systematische Methode zur Projektauswahl hilft dabei, die Entscheidungsfindung zu rationalisieren und eine fundierte Entscheidung zu treffen. Eine kontinuierliche Überprüfung und Anpassung der Projektauswahl im Verlauf des Bauvorhabens trägt dazu bei, Risiken zu minimieren und den Erfolg zu maximieren.

Analyse der Projektauswahlkriterien

Effiziente Projektauswahl im Bauwesen

Bauingenieur bei Planungsarbeit

Ingenieur überprüft Baupläne mit digitalen Modellen, verbindet traditionelle und moderne Planungsmethoden.

Die Revision in Unternehmen folgt nach aktuellen Standards keinem allgemeingültigen Prüfungsplan, sondern passt diesen jährlich an. Der Schlüssel für diese Anpassung orientiert sich häufig an dem Risiko. Anhand dessen wird für alle Geschäftsbereiche regelmäßig untersucht und bewertet, inwiefern sich Risiken auf die Erreichung der Organisationsziele auswirken. Die identifizierten Risikofaktoren werden entsprechend gewichtet. Die Risikofaktoren bilden sich anhand unterschiedlicher Kennzahlen. Dabei finden beispielsweise die folgenden Faktoren Berücksichtigung:

  • Bedeutung und Volumen der jeweiligen Geschäftsprozesse,

  • Qualität der internen Kontrollsysteme,

  • Komplexität der einzelnen Prozesse,

  • Dynamik der Prüfungsobjekte,

  • Zusammensetzung des eingesetzten Personals

  • Zeiträume der letzten Prüfungen etc.

Aus einer komplexen Beurteilung unter einer Vielzahl von Prüfalgorithmen ergibt sich dann eine Risikokennzahl. Anhand der Risikokennzahl wird festgelegt, welche Prozesse oder Geschäftsbereiche in den Prüfplan Berücksichtigung finden.

Projekte und insbesondere Bauprojekte sind - im Gegensatz zu Organisationseinheiten oder sich wiederholenden Prozessen in Organisationen oder Unternehmen - insbesondere wegen ihrer Einmaligkeit besonders stark risikobehaftet. Als Kriterien, welche für eine Auswahl von zu prüfenden Bauprojekten infrage kommen, sind beispielsweise:

  • Projektgröße,

  • Änderungsumfang,

  • Projektkomplexität,

  • Vertragsmodel],

  • Budgeteinhaltung,

  • Termineinhaltung,

  • Planungsqualität,

  • Fertigstellung der Planung,

  • Störungsumfang,

  • Neuartigkeit.

Auch in der amerikanischen Literatur finden sich ähnliche Hinweise für eine Projektauswahl. Risner nähert sich der Auswahl seines Prüfprojektes für eine Durchführung einer Baurevision anhand einer Risikomatrix an. Er schlägt vor, die infrage kommenden Projekte anhand bestimmter Attribute zu bewerten und anschließend zu vergleichen. Das Projekt mit der höchsten Punktzahl beinhaltet die größten Risiken und wird somit zum Ziel der Prüfung.

In Anlehnung an Risner schlagen wir für Bauprojekte vor, folgende zehn Attribute zu bewerten. Für jedes Attribut werden maximal 5 Punkte vergeben.

Bestimmung der Projektgröße im Bauwesen

Die Projektgröße kann bestimmt werden über das Gesamtinvestitionsvolumen, die Summe der Kosten aus KG 300 und 400 gemäß DIN 276 oder beispielsweise über das Volumen der Sparte, welche untersucht wird. Alternativ könnte auch eine Differenzierung in Projektdauern erfolgen oder eine Leistungsdichte als Unterscheidungskriterium herangezogen werden (beispielsweise gemessen in EUR pro Monat). Der Hintergedanke für dieses Kriterium besteht darin, dass größere Projekte in der Regel komplexer sind und daher ein höheres Risikopotenzial aufweisen. Sie erfordern eine intensivere Überwachung und Kontrolle, um potenzielle Probleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben.

Bewertung der Projektgröße

 

Nicht mehr als 5 Mio. EUR

1 Punkte

Mehr als 5 Mio. und nicht mehr als 10 Mio. EUR

2 Punkte

Mehr als 10 Mio. und nicht mehr als 50 Mio. EUR

3 Punkte

Mehr als 50 Mio. und nicht mehr als 100 Mio. EUR

4 Punkte

Mehr als 100 Mio. EUR

5 Punkte

ist, dass Probleme bei einem Projekt mit einem hohen Investitionsvolumen zwangläufig auch hohe finanzielle Risiken in sich bergen.

Für weitere Informationen und passende Dokumente zur Liste der Kostengruppen gem. DIN 276 besuchen Sie unseren Dokumentenshop für FM.

Umfang von Änderungen in Bauprojekten

Abweichungen vom Bauentwurf sorgen regelmäßig dafür, dass Pläne geändert werden müssen, Material neu gemustert oder umbestellt werden muss, Arbeitskräfte neu koordiniert werden müssen, gegebenenfalls Abläufe umgestellt werden müssen, etc. All diese Auswirkungen führen zu dem Risiko, dass die Kosten und die Bauzeit nicht eingehalten werden können oder sich Qualitäten ändern. Ausdruck von Abweichungen kann die Erhöhung des Auftragsvolumens darstellen.

Ein besserer Indikator ist jedoch die Anzahl der Änderungen. Denn auch sehr viele kleine verhältnismäßig kostengünstige Änderungen können enorme Auswirkungen auf das Gesamtprojekt haben. Für Bauprojekte stellt deshalb etwa die Anzahl der Nachträge einen guten Indikator dar. Die Änderungen werden definiert nach Kostenänderungen des Bauvolumens bezogen auf das Gesamtbauvolumen in Prozent. Alternativ könnte auch eine Betrachtung der Anzahl der (Nach-) Unternehmernachträge erfolgen.

Verständnis der Projektkomplexität in Bauvorhaben

Je komplexer ein Projekt, desto vielfältiger sind die Risiken, mit denen das Projekt behaftet ist. So ist zum Beispiel der Umbau eines bestehenden Klinikums und die Weiterführung des Betriebes erheblich komplexer als der Neubau einer Lagerhalle für den städtischen Bauhof auf einem freien Feld.

Bewertung des Änderungsumfangs

 

Nicht mehr als 25 Nachträge

1 Punkte

Mehr als 25 und nicht mehr als 50 Nachträge

2 Punkte

Mehr als 50 und nicht mehr als 100 Nachträge

3 Punkte

Mehr als 100 und nicht mehr als 500 Nachträge

4 Punkte

Mehr als 500 Nachträge

5 Punkte

Bewertung der Projektkomplexität

 

Sehr geringe Komplexität (z. B. einfache Behelfsbauten, einfache Wohnbauten)

1 Punkte

Geringe Komplexität (z. B. einfache geschlossene, eingeschossige Hallen)

2 Punkte

Durchschnittliche Komplexität (z. B. Einkaufszentren, Hotels, große Wohnhäuser)

3 Punkte

Hohe Komplexität (z. B. Bahnhöfe, Hausgruppen in verdichteter Bauweise)

4 Punkte

Sehr hohe Komplexität (z. B. Flughäfen, Universitätskliniken, Kraftwerke)

5 Punkte

Ebenso ist ein gemeinschaftliches Bauprojekt mit mehreren Interessenvertretungen (z. B. Projekt mit Beteiligung durch einen Gemeindebetrieb, dem jeweiligen Bundesland, unterschiedlichen Fördermittelgebern) komplexer als ein Bauprojekt mit nur einem Interessenvertreter (z. B. Projekt nur durch einen Gemeindebetrieb).

Die Komplexität wird nachfolgend über das Maß der Anforderungen bewertet, mit denen das Projekt geplant, umgesetzt und koordiniert werden muss. Dabei können in Anlehnung an die HOAI entweder einzelne Aspekte bewertet werden, wie z. B. Anforderungen an die Einbindung in die Umgebung, Anzahl der Funktionsbereiche, gestalterische Anforderungen, konstruktive Anforderungen, technische Ausrüstung oder Ausbau. Oder die Bewertung wird anhand einer Objektliste vorgenommen.

Effektive Vertragsmodelle für Bauprojekte

Die Entscheidung für eine bestimmte Art des Bauvertrages ist wesentlich für die Beurteilung der Risiken des Bauprojektes. Der Einheitspreisvertrag mit der Einzelvergabe aller Bauleistungen stellt zwar hohe Ansprüche an das Projektmanagement, ist aber als risikoarm zu bewerten, da die Ausschreibungen positionsweise und in der Regel sehr detailliert erfolgen. Zur Abrechnung kommen ausschließlich solche Leistungen, die nachweislich erbracht wurden.

Riskanter sind Bauverträge, die pauschaliert sind. Auch wenn das Mengenrisiko an den Unternehmer abgegeben wird, verliert der Auftraggeber Kontrollmöglichkeiten. Darüber hinaus besteht das Risiko, dass in dem zugrundeliegenden Ausschreibungsgegenstand Leistungen nicht auskömmlich beschrieben sind oder vergessen wurden. Änderungen oder Ergänzungen werden im Nachhinein teuer.

Das größte Risiko besteht bei der Vereinbarung eines Selbstkostenerstattungsbetrages, da für diese Vertragsart weder Kosten noch Zeit kalkulierbar sind.

Bewertung des Vertragsmodells

 

Einheitspreisvertrag mit Einzelvergabe

1 Punkte

Einheitspreisvertrag mit GU-Vergabe

2 Punkte

Detailpauschalpreisvertrag

3 Punkte

Globalpauschalpreisvertrag

4 Punkte

Anderer Vertragstyp (z. B. Selbstkostenerstattungsvertrag, Stundenlohnvertrag o.ä.)

5 Punkte

Sichere Budgeteinhaltung in Bauprojekten

Die Einhaltung des Budgets bzw. die Abweichung zu dem vorgesehenen Budget - ohne Änderungen des Bauentwurfs - ist ein wichtiger Indikator für die Überprüfung eines Projektes. Erhebliche Überschreitungen des Budgets weisen darauf hin, dass erhebliche Probleme während der Projektabwicklung aufgetreten sind, die analysiert werden müssen. Diese Probleme zeigen, welche Risiken tatsächlich eingetreten sind.

Die Budgeteinhaltung wird als relative Änderung zum vereinbarten Auftragsvolumen bewertet. Das geringste Risiko besteht bei einer Abweichung innerhalb von 10 % (orientiert an §2.3 VOB/B). Wenn sich das Auftragsvolumen mehr als verdoppelt, erhält das Projekt die höchste Punktzahl.

Pünktlichkeit als Erfolgsfaktor in Bauprojekten

Die Einhaltung der vereinbarten Termine ist ein weiterer maßgebender Indikator für Bauprojekte. Wenn ein vereinbarter Zeitplan überschritten wird, liegt es daran, dass ein Unternehmer nicht genügend Kapazitäten hatte oder dass bei der Ausschreibung und Vergabe die Leistungsfähigkeit des Unternehmers nicht ausreichend überprüft wurde. Ein anderer Grund kann sein, dass das Projektmanagement keine ordnungsgemäße Zeitplanung angefertigt und entsprechend fortgeschrieben hat. Es ist sinnvoll, Projekte, die erhebliche Terminüberschreitungen aufweisen, zu überprüfen, um festzustellen, welche Risiken sich bei diesen Projekten realisiert haben.

Darüber hinaus enthalten sehr langandauernde Bauprojekte hohe Risiken, da das begleitende Personal häufig wechselt, Gesetzgebungen sich ändern können, und Unternehmen insolvent gehen können.

Bewertung der Budgeteinhaltung

 

Budget eingehalten oder um max. 10 % überschritten

1 Punkte

Budget um max. 25 % überschritten

2 Punkte

Budget um max. 50 % überschritten

3 Punkte

Budget um max. 100 % überschritten

4 Punkte

Budget um mehr als 100 % überschritten

5 Punkte

Bewertung der Termineinhaltung

 

Zeitplan eingehalten oder um max. 10 % überschritten

1 Punkte

Zeitplan um max. 25 % überschritten

2 Punkte

Zeitplan um max. 50 % überschritten

3 Punkte

Zeitplan um max. 100 % überschritten

4 Punkte

Zeitplan um mehr als 100 % überschritten

5 Punkte

Die Termineinhaltung wird an einer relativen Überschreitung in Prozent zum ursprünglich vereinbarten Zeitplan gemessen. Wenn sich die Bauzeit mehr als verdoppelt, erhält das Projekt die höchste Punktzahl.

Planungsqualität als Schlüssel zum Projekterfolg

Eine schlechte Qualität der Planung führt zu vielfältigen Auswirkungen. Sie führt dazu, dass Kostenberechnungen nicht stimmen. Sie führt weiter dazu, dass die Ausschreibungen der Bauleistungen ebenfalls eine schlechte Qualität haben und die Ausführungspläne möglicherweise nicht funktionsfähig sind. Wenn dies eintritt, sind Nachbesserungen erforderlich, welche in Nachträgen münden. Darüber hinaus führen Nachbesserungen an der Planung regelmäßig zu erheblichen Zeitverzögerungen.

Die Qualität der Planung zu bewerten, stellt eine hohe Herausforderung dar, welche sich nur schwer messen lässt. Darüber hinaus sollte das Messergebnis auch vergleichbar sein mit anderen Projekten. Dies ist schon deshalb sehr schwierig, da jedes Bauprojekt ein Unikat ist und unterschiedliche Herausforderungen mit sich bringt.

Die Planungsqualität wird deshalb an der Anzahl von Bedenkenanmeldungen bewertet, wie sie gemäß § 4.3 VOB/B gefordert sind. Eine hohe Anzahl an Bedenkenanmeldungen zeigt, dass die Planung bei dem Bauprojekt offensichtlich technisch nicht so korrekt und eindeutig war, dass der Unternehmer zweifelsfrei danach bauen konnte.

Bewertung der Planungsqualität

 

Nicht mehr als 10 Bedenkenanmeldungen

1 Punkte

Mehr als 10 und nicht mehr als 25 Bedenkenanmeldungen

2 Punkte

Mehr als 25 und nicht mehr als 50 Bedenkenanmeldungen

3 Punkte

Mehr als 50 und nicht mehr als 100 Bedenkenanmeldungen

4 Punkte

Mehr als 100 Bedenkenanmeldungen

5 Punkte

Bewertung der Fertigstellung der Planung

 

Ausführungsplanung zu 100 % fertig

1 Punkte

Ausführungsplanung zu min. 80 % und weniger als 100 % fertig

2 Punkte

Ausführungsplanung zu min. 60 % und weniger als 80 % fertig

3 Punkte

Ausführungsplanung zu min. 40 % und weniger als 60 % fertig

4 Punkte

Ausführungsplanung zu weniger als 40 % fertig

5 Punkte

Wenn Projekte miteinander verglichen werden, die alle sehr komplex sind und ein hohes Auftragsvolumen haben, liegt bei allen Projekten vermutlich eine hohe Anzahl an Bedenkenanmeldungen vor. Das Gegenteil gilt für den Vergleich sehr kleiner und einfacher Projekte.

Abschluss der Planungsphase im Bauwesen

Es ist heutzutage nicht unüblich, dass die Ausführung von Bauprojekten begonnen wird, bevor die komplette Ausführungsplanung vollständig vorliegt.

So kann es zum Beispiel sein, dass der Rohbau eines Bürogebäudes bereits begonnen hat, während die Ausführungsplanung der TGA-Gewerke noch in der Bearbeitung ist und z. B. Luftstrombemessungen noch nicht abgeschlossen sind. Dies führt dazu, dass die Lüftungskanäle größer dimensioniert werden müssen als zuvor angenommen. Dies wiederum führt dazu, dass Deckenhöhen nicht mehr eingehalten werden können oder Lüftungskanäle mit anderen Leitungen der Haustechnik kollidieren. Wenn dies eintritt, steigen die Baukosten enorm, und die Bauzeit wird unweigerlich überschritten.

Der Fertigstellungsgrad der Ausführungsplanung (entsprechend LP 5 HOAI) vor Baubeginn wird in Prozent bewertet.

Effektive Bewertung des Störungsumfangs in Bauprojekten

Ist ein Bauprojekt aus unterschiedlichen Gründen gestört, kommt es zu Bauablaufumstellungen, Verzögerungen im Bauablauf, zusätzlichen Beschleunigungsmaßnahmen oder auch Bauzeitverlängerungen etc. All diese Auswirkungen beeinträchtigen die Einhaltung der Kosten und der vereinbarten Bauzeit.

Bewertet wird die Anzahl der Behinderungsanzeigen, wie sie gemäß § 6.1 VOB/B gefordert sind. Eine hohe Anzahl an Behinderungsanzeigen zeigt, dass bei dem Bauprojekt erhebliche Störungen im Bauablauf aufgetreten sind, die eine genauere Untersuchung rechtfertigen.

Bewertung des Störungsumfangs

 

Nicht mehr als 25 Behinderungsanzeigen

1 Punkte

Mehr als 25 und nicht mehr als 50 Behinderungsanzeigen

2 Punkte

Mehr als 50 und nicht mehr als 100 Behinderungsanzeigen

3 Punkte

Mehr als 100 und nicht mehr als 500 Behinderungsanzeigen

4 Punkte

Mehr als 500 Behinderungsanzeigen

5 Punkte

Bewertung der Neuartigkeit

 

Standardprojekt, das schon zahlreich in dieser Art realisiert wurde

1 Punkte

Projekt, das schon mehrfach (mehr als 10 Stk.) in dieser Art realisiert wurde

2 Punkte

Projekt, das schon vereinzelt (nicht mehr als 10 Stk.) in dieser Art realisiert wurde

3 Punkte

Projekt, das in vergleichbarer Art schon realisiert wurde

4 Punkte

Unikat, das erste seiner Art

5 Punkte

dem Bauprojekt offensichtlich Gründe vorliegen, welche verhindern, dass der Unternehmer zweifelsfrei und planmäßig bauen konnte.